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Tuesday 9 Jun
Murghab, Tajikistan

Pamir Highway, die 1.

Hallo alle zusammen!

Jetzt sind wir endlich am Pamir-Highway M41 unterwegs. Nach dem dringend notwendigen Ruhetag in Khorog, wo wir uns in unserem netten Guesthouse gut erholen und endlich wieder mal warm duschen konnten, brechen wir zeitig in der Frueh auf. Wir wissen, dass wir eigentlich kein Guesthouse auf unserer heutigen Etappe erwarten koennen. Aber wir werden sehen. Wir kaufen noch Benzin fuer den Kocher - fuer alle Faelle - und Nudeln habe ich auch eingepackt. Nachdem Hartwig keinen Packsack auf den Gepaecktraeger hat, habe ich das Zelt und auch die Nudeln und Benzin bei mir eingepackt. Die Strasse fuehrt langsam bergauf, durch ein schoenes Bergtal. Nach unserer Mittagspause mit Snickers und Mars werden wir mal wieder ueberraschend zu einem Chai eingeladen. Wir bekommen Brot, Kefir und zu guter Letzt - was wir nicht unbedingt gebraucht haetten - eine Schuessel mit Fleisch und viel Schnittlauch. Das Fleisch ist sehr zaeh und wir knabbern hoeflichkeitshalber ein wenig an den Knochen herum. Es tut mir leid, dass wir das, was wir hier bekommen, nicht wirklich schaetzen koennen. Die Tadschiken geben uns aus ihrer Sicht gesehen das Beste was sie haben ... und sie bestaetigen uns das auch noch, indem die Frau des Hauses mit einem abgeschnittenen Ziegenkopf um die Ecke biegt und ihn stolz herzeigt. Schaut, das Fleisch ist noch ganz frisch ... ich bin froh, dass ich den nicht vor dem Essen gesehen habe ...

Nachdem wir dem Opa Zigaretten geschenkt haben, verabschieden wir uns und radeln weiter unserem unbekannten Ziel entgegen. Kurz vor Wer, nach ca. 70 km, rufen uns Tadschiken, die Steine auf einen LKW laden, etwas zu. Wir bleiben stehen und ich frage nach einem Gastiniza (Guesthouse). Njed, gibt es nicht. Aber kann man irgendwo schlafen - deute ich mit den Haenden an. Ein Tadschike zeigt zu einem Haus etwa 500 m entfernt. Er meint wir sollen ihm folgen. Es ist sein Haus und wir werden in ein echtes Pamiri-Haus zum Schlafen eingeladen. Der Tadschike ist so richtig nett, gibt uns Wasser zum Waschen, wir bekommen im Haus sofort etwas Warmes zu essen, "muessen" mit dem Grossvater eine kleine Flasche Cognac trinken und es ist richtig gemuetlich in dem Zimmer mit Dachfenster und den typischen Ecken in einem Pamiri-Haus. Dann wandern wir noch mit unserem Gastgeber ueber eine spannende Haengebruecke den Huegel hinauf und haben eine wunderbare Sicht auf die Berge rundherum. Ibrahim zeigt uns seine Rubine, die er in der Umgebung gefunden hat, wirklich schoene Edelsteine und die er hofft gut verkaufen zu koennen. Zurueck im Haus bekommen wir wieder etwas zu essen, wieder schmeckt es wunderbar "kushat, kushat - esst, esst", aber wir koennen schon nicht mehr. Es kommen dann auch noch Nachbarn vorbei und auch wenn wir uns nicht wirklich gut unterhalten koennen, ist es wieder ein netter Abend.

Am naechsten Tag bekommen wir noch Brot mit auf unsere Reise und Ibrahim begleitet uns noch zu einem Geschaeft. Nachdem wir uns bei ihm bedanken wollen, kaufen wir eine gute Flasche Cognac und ein Kilo der typischen Suessigkeiten, die zum Chai gereicht werden. Er nimmt allerdings nur den Cognac an und gibt mir noch eine zusaetzliche Flasche Wasser mit. Jetzt kann ich auch noch das Kilogramm Zuckerl, Brot und Wasser schleppen ... das wird mir heute noch zuviel. Und so kommt es auch zu einem ersten Konflikt zwischen mir und Hartwig. Nachdem er immer gesagt hat, er wuerde ja gerne mehr nehmen, er aber keinen Platz hat, hab ich immer  ohne etwas zu sagen, alles bei mir eingepackt. Nach den 70 anstrengenden Kilometern und nachdem ich auch noch bei unserem Guesthouse bzw. Sanatorium, wo Hartwig abgestiegen ist, vorbeigefahren bin, bin ich ziemlich fertig und ich werfe Hartwig das ganze vor. Ergebnis ist, dass Hartwig das Zelt dann am naechsten Tag doch noch irgendwo auf seinem Fahrrad unterbringt ... was fuer mich eine ziemliche Erleichterung bringt ...

Nachdem wir am Abend das erste Mal andere Biker, 2 Slowenen, die den Pamir-Highway in umgekehrte Richtung fahren, getroffen haben und viel Spass gehabt haben, breche ich am naechsten Morgen alleine schon um halb 7 auf. Wir haben eine lange Etappe vor uns, der erste 4000er Pass, der laut den Slowenen eigentlich aus 2 Paessen besteht und ueber 80 km bis zum naechsten Guesthouse. In der Nacht hat es weit heruntergeschneit, aber das Wetter ist halbwegs gut und wir beide plagen uns den Pass hinauf. Kurz vor dem Pass sehe ich Hartwig naeher kommen, auch er schiebt sein Rad auf der Schotterstrasse. Oben wird es flacher und der Wind pfeifft ziemlich, neben der Strasse liegt Schnee, mir ist ziemlich kalt und ich sehe in der Ferne ein Haus. Dort radle ich hin und werde, zum Glueck wie erwartet, zu Chai eingeladen. Ich warte noch auf Hartwig und beide koennen wir uns gut aufwaermen, bekommen Tee und sehr gutes Brot. Nachdem ich weiss, dass die Tadschiken nichts annehmen, hinterlassen wir etwas Geld unter der Sitzmatte. Es ist fuer mich nicht selbstverstaendlich, dass wir "reichen" Touristen uns von den gastfreundlichen Tadschiken einfach einladen lassen und wir koennen ihnen nichts zurueckgeben. Das Geld koennen sie sehr gut gebrauchen, aber sie wuerden es nie annehmen.

Die Landschaft rundherum ist jetzt wunderbar, wir befinden uns auf einer Hochebene, die recht trocken aussieht, aber gemeinsam mit den schneebedeckten Bergen eine schoene Farbkombination ergibt. Man hoert rundherum Murmeltiere pfeiffen und vorbeihuschen, Hartwig hat auch Fuechse gesehen. Wir biegen wie geplant in eine Seitenstrasse Richtung Bulunkul ab. Das werden schlimme 15 km. Die Strasse ist so eine typische Waschbrettstrasse. Den Ort sieht man schon in aller Ferne, aber man kommt nicht naeher und macht aufgrund der ruppigen Strasse auch keine Meter ... Muede kommen wir in dem wirklich entlegenen Ort an. Die Haeuser stehen verstraeut herum, die Plaetze dazwischen sind ein Gemisch aus Sand und Glasscherben. Inshallah, wir haben keinen Patschen. Ein Mann deutet mir - hier ist ein Guesthouse. Letztendlich siedelt die Familie aus, damit wir in ihrem Heim uebernachten und sie sich  ein wenig etwas dazuverdienen koennen. Es ist ein komisches Gefuehl ...

Wir organisieren uns irgendwie ein Taxi, dass uns zu heissen Quellen in der Naehe bringen soll. Die heissen Quellen bestehen aus 2 kleinen Teichen mit angenehmer Temperatur und so haben Hartwig und ich unsere privaten Whirlpools inmitten wunderbarer Natur.

Die Nacht wird fuer mich allerdings furchtbar, ich kann schlecht schlafen, mir ist kalt, ich muss mehrmals auf die Toilette und das heisst jedesmal anziehen, in die Kaelte raus und ca. 100 m hinter den Hausern auf die "oeffentliche" Toilette gehen, verfolgt von leuchtenden Augen der vielen Hunde im Ort ... Hartwig ist da viel robuster, er kann immer gut schlafen, vertraegt das Essen und hat auch keine Probleme mit der Hoehe.

ja das wars mal wieder aus dem wunderbaren Tadschikistan

bis bald

Andrea

Daten und Fakten:
Khorog: Uebernachten im Guesthouse neben der Pamiri-Lodge, nette Familie, gutes Essen, warme Dusche!! kann ich nur empfehlen
Khorog - Wer: 72 km, 1080 hm, Uebernachtung in privatem Pamiri-House, Geschaefte am Weg, aber kein Guesthouse
Wer - Jelondy(3450m): 64 km, 860 hm, Uebernachtung im Sanatorium kurz vor Jelondy, heisse Quellen!
Jelondy - Bulunkul(3630m): 76 km, 1080 hm, 2 Paesse mit ueber 4000m, Waschbrettstrasse nach Bulunkul, Homestay

5 Comments for this Travel blog entry

Frits Says:

12 June

Hi ihr zwei - Bericht und Fotos sind super - mir gefällt das Foto mit der Trophäe vom Mittagessen besonders gut... war sicher eine "glückliche Ziege" bevor ihr sie verspeist habt :-)

Angelika Says:

12 June

Hallo ihr beiden. Trotz der Strapazen scheint ihr noch frohen Mutes zu sein. Liegt es an der eindrucksvollen Landschaft und dem ja doch nicht so üblem Essen (geht nichts gegen Brot und Nudeln)? Oder ist das mehr die Luft der Freiheit die ihr beiden atmet?

Werner Says:

12 June

Bei so viel Strecke vor sich nach Bulunkul abzuzweigen ist echt "kul". In der Gegend scheint ja das Wort Kul See zu bedeuten. Zähes Fleisch als Gastgeschenk ist super, in anderen Gegenden bekommt man Ziegenaugen als Gastgeschenk.

sjohann Says:

21 June

toll euren Bericht zu lesen, und freue mich schon auf Khorog und Umgebung.

Firdavs Says:

23 March

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